Bericht aus Nepal 2016

Bericht aus Nepal 2016

 

Rede auf dem Nepaltag am 26. November 2016

Vom 25. Oktober bis 23. November 2016 war ich in Nepal, um mich über die Projekte zu informieren, die nach dem verheerenden Erdbeben 2015 durch die Namaste Stiftung realisiert werden: in Bolde, wo das Engagement unserer Stiftung vor 18 Jahren mit dem Bau einer Krankenstation begann, in Baluwa, wo eine zerstörte Schule wieder aufgebaut wird, und in Manekharka, nahe der chinesischen Grenze, wo es um den Wiederaufbau von über 200 Bauernhäuser geht.

Es war Erntezeit. Die Bauernfamilien waren auf den Feldern, Männer, Frauen, Kinder, um die Früchte ihrer mühsamen Jahresarbeit einzubringen, den Reis aus den Ähren zu schlagen, wie man das seit Jahrhunderten macht, um schwere Säcke oder riesige Stroh- oder Grasbüschel mit Hilfe der üblichen Stirnbänder auf ihrem Rücken zu ihren Farmhäusern zu schleppen, von denen doch so viele noch zerstört sind oder schwere Schäden zeigen nach den Erdbeben des vergangenen Jahres.

Zehntausende leben immer noch unter primitivsten Verhältnissen in ihren Wellblechverschlägen, zusammengenagelten, zugigen Unterkünften, mit Plastikplanen abgedeckt, auf engstem Raum mit ihrer Kinderschar und dem Vieh, man muss sie besucht haben in diesen dunklen, verräucherten 20 bis 30 Quadratmetern, die seit 1 ½ Jahren ihr Zuhause sind, ob im Monsun oder in der Winterkälte, muss in die erwartungsvollen Augen der Kinder blicken, um ermessen zu können, wie sehr Nepal immer noch auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist, auch wenn anderswo auf dieser Welt, auch bei uns in Deutschland, die Not groß sein mag. Das lässt sich nur schwer miteinander vergleichen.

 

Horst Schmel und Heribert Wirth, Vorsitzender der Stiftung Wasser für die Welt, haben unmittelbar nach dem Beben Manekharka besucht, in der Provinz Sidhupalchowk, wo die Stiftung mit Hilfe von Spenden der Fa. Doblinger einer Krankenstation errichtet hat. Die Krankenstation blieb weitgehend unbeschädigt, aber 95% aller Wohnhäuser wurden zerstört. Heri Wirth hat angesichts der Verwüstung und des Elends mit seinen Freunden 500 000 Euro gesammelt für den Wiederaufbau von mehreren hundert Häusern der ärmsten Familien dort. Leider ließ sich die ursprüngliche Idee, diese Häuser mit einer Gabionentechnik aufzubauen, was ja durchaus einleuchtend und praktisch erschien, trotz aller Bemühungen vor Ort aus verschiedenen Gründen nicht realisieren.

Der „Bürgermeister“ von Manekharka hat nun ein Modellhaus mit 50 qm aus Zementziegeln und mit Wellblechdach gebaut. Es soll 4000 $ kosten. Das ist sehr günstig, aber die Regierung zahlt den Erbebenopfern maximal nur 2000 $ pro Familie. Die Ärmsten der Armen können den Restbetrag nicht aufbringen, auch keine Kredite bedienen. Ihnen hilft in Manekharka die Namaste Stiftung mit den Spendenmitteln von Heri Wirth und seiner Stiftung Wasser für die Welt.

Jetzt können nahezu 300 Familien, die von einem Dorfkomitee und Vertretern des DHOS und der Distriktregierung ausgewählt werden, die Mauern ihrer Häuser hochziehen, nach erdbebensicheren Kriterien, das wird 2000 $ kosten, und mit den Mitteln der Stiftung bzw. der Spenden von Heri Wirth bekommen diese Häuser ein Dach aus Stahlrohren und beschichtetem Well- bzw Trapezblech. Kein Holz, um die Bergwälder der Umgebung zu schonen. Das Dach kostet nochmal 2000 $, also insgesamt 4000 $. Damit bekommen die Menschen 50 qm mit 4 Zimmern, das ist Standard im ländlichen Nepal. Die ärmsten Familien werden dafür keine Eigenmittel benötigen, die sie auch gar nicht haben. Ihr Beitrag wird ihre Arbeitskraft sein.

Für diese Lösung ist die ganze Dorfgemeinschaft unendlich dankbar, nimmt sie doch am meisten Rücksicht auf das Sozialgefüge der Gemeinschaft, auf ihr Traditionsbewusstsein und ihre Mentalität.

In Manekharka entsteht neben der Krankenstation ein Mutter-Kind-Zentrum. Das wird

250 000 € kosten, von denen die Stiftung 100 000 übernimmt, die Familie Doblinger steuert 50 000 bei, und 100 000 finanziert Sternstundenüber die Stiftung. Marianne Lüddeckens und Dr. Ludger Hermeler, Vorstände und Geschäftsführer von Sternstunden, waren ja im April mit mir zusammen in Manekharka, als das Fundament gelegt wurde. Jetzt ist das Erdgeschoss aufgerichtet. Dort werden werdende Mütter und ihre Kinder betreut, kann Schwangeren bei Komplikationen geholfen werden, können Frauen unter hygienischen Bedingungen ihre Kinder gebären. Hier wird ein Beitrag geleistet, um die immer noch hohe Rate an Mutter-Kind Sterblichkeit bei der Geburt zu senken, was zum Beispiel in unserem Krankenhaus in Bolde statistisch seit Jahren erfreulich nachgewiesen werden kann. Ganz herzlichen Dank an Sternstunden für dieses wichtige Engagement.

Die Krankenstation in Bolde übrigens konnte in diesem Sommer 600 Patienten versorgen, die Patientenzahlen haben sich, seit Dr. Rabindra dort ständig als Arzt tätig ist, verdreifacht. Das ist enorm – und natürlich auch auf die gute medizintechnische Ausstattung dieser inzwischen vorbildlichen Außenstation zurückzuführen. Das haben die Boldefreunde und Unterstützer der Namaste Stiftung mit ihren Spendengeldern möglich gemacht. Die Bevölkerung dort, und im weiteren Umkreis, ist dafür äußerst dankbar.

Im Frühjahr waren Marianne Lüddeckens und Dr. Hermeler mit mir auch in Bolde, wo Sternstunden den Wiederaufbau der zum Teil schwer zerstörten Schulen mit einer Summe vom 158 000 € zugesagt hat. Wo im Frühjahr noch der Schutt beseitigt und einsturzgefährdete Mauern abgetragen werden mussten, können die Schüler zum Teil bereits wieder in fertiggestellten Klassenzimmern unterrichtet werden. Aber es gibt noch viel zu tun. In der Kalika Schule in Mahure muss noch ein zweistöckiger Gebäudeteil errichtet werden, und von der Saraswoti Grundschule existiert im Moment gar nichts mehr. Sie muss komplett neu aufgebaut werden. Der Unterricht findet nach wie vor unter einem offenen Wellblechdach statt.

Die Shiwalaya Schule kam glimpflich davon. Sie konnte von einem soliden Neubau profitieren, den die Stiftung vor 3 Jahren errichten ließ. In diesem Gebäude ist nun ein sehr schöner Kindergarten untergebracht, das war mein großer Wunsch, dass wir dem Vorbild des Kindergartens folgen, den unsere Freunde von „Südtiroler Ärzte für die Welt“ in Bolde, nahe der Krankenstation, errichtet und ausgestattet haben. Mit unseren Südtiroler Freunden arbeiten wir hier großartig zusammen, und die Familien in Bolde sind glücklich und uns sehr dankbar. Denn nun können die größeren Mädchen am Vormittag in die Schule gehen, können einen Schulabschluss machen und müssen nicht auf ihre kleineren Geschwister aufpassen, wenn die Eltern auf dem Feld sind.

In Baluwa, nicht weit von Dhulikhel entfernt, muss eine große Schule mit 900 Schülern neu aufgebaut werden. Heri Wirth, seine Stiftung Wasser für die Welt und seine Freunde Kurt Kramer und Helmuth Newin, werden diesen Schulbau weitgehend über die Namaste Stiftung mit einem Betrag von 140 000 € finanzieren. Hier ist erst das Fundament gelegt worden.

 

Wenn man nach dem Besuch all der Orte, in denen sich unsere Stiftung dank großzügiger Spendenbereitschaft engagiert, mit Seidenschals und reichlich Blumenkränzen um den Hals beschenkt wird, dann drückt sich in dieser malerischen Geste die ganze Dankbarkeit der so schwer heimgesuchten Menschen in den Erdbebengebieten Nepals aus. Sie sind so duldsam, sie klagen nicht, sie fordern nicht, sie leben unter Verhältnissen, die für uns hier nur schwer vorstellbar sind. Wenn wir ihnen mit unseren Projekten unter die Arme greifen können, tun wir wirklich ein gutes Werk. Den Dank aus Nepal gebe ich hiermit gerne an all unsere Spender weiter.

Und natürlich bedanke ich mich im Namen des gesamten Vorstandes für die jahrelange, große Unterstützung unserer Namaste Stiftung! Bleiben sie uns bitte treu!

 

Günther Strödel

 

Zurück