Stiftungschronik

Namaste – Chronik einer
Krankenstation in Nepal
1996 bis 2012
Der Anfang einer – hoffentlich – unendlichen Geschichte

1996

Ursula und Horst Schmel sind, wie schon seit den 70er Jahren, wieder in Nepal unterwegs. Nicht nur die Landschaft am Himalaja selbst fasziniert das Ehepaar. Auch die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Nepali lässt die beiden immer wieder in das höchstgelegene Land der Erde mit seinen zehn Achttausendern reisen. Auch diesmal steht wieder eine Trekking-Tour am Anapurna auf dem Reiseplan des Apothekers und seiner Frau aus Gilching bei München. Und wie schon in den Jahren zuvor begleiten sie dieselben zwei Sherpas. Beim Anstieg klagt Ursula Schmel in etwa 5500 Metern über Übelkeit, Kopfschmerzen, Atemnot und Schwindel – akute Anzeichen der bei Bergsteigern gefürchteten Höhenkrankheit. Nur ein rascher Transport in ein tiefer gelegenes Gebiet kann helfen. Die Sherpas tragen die Kranke noch nachts 1500 Meter bergab – und retten ihr damit das Leben. Für Horst Schmel steht fest: Ihr Dankeschön an die Nepali für diese Lebensrettung wird sich nicht in einer einmaligen Geldzuwendung erschöpfen. Er will „etwas Besonderes“ tun für das Dorf Bolde, aus dem einer der beiden Lebensretter stammt.

1997

Zusammen mit Gisela und Charlie Haberkorn, Rosi und Sepp Friedl, Erna Scheuermann und Klaus Schuler, gleichermaßen begeisterte Nepalreisende, gehen Ursula und Horst Schmel unmittelbar nach diesem Ereignis an die Arbeit und kommen zu dem Schluss, dass das „Besondere“ eine Krankenstation für Bolde werden soll, liegt die medizinische Versorgung in dem unwegsamen Gelände doch sehr im Argen. In Zahlen: Für etwa 10 000 Menschen in der Gegend von Bolde gibt es keinerlei medizinische Versorgung.

1998

Bereits nach knapp zwei Jahren zeitigt der „besondere“ Dank sichtbare Folgen: In einem ehemaligen Stall richten Horst Schmel und die „Bolde-Freunde“ wie sich die Gruppe nennt, eine provisorische Krankenstation ein. Doch nicht westliche Helfer, so die Maßgabe der Initiatoren, sollen hier arbeiten, sondern Einheimische. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto der Gruppe von Anbeginn, denn nur so, da sind sich die Bolde-Freunde einig, kann den Menschen im viertärmsten Land der Erde auch nachhaltig geholfen werden. Dass dies nicht von den Bolde-Freunden allein bewerkstelligt werden kann, dass ein Mittler vor Ort das Vorhaben erleichtern würde, versteht sich von selbst. Doch wer sollte dies tun? Horst Schmel und Charlie Haberkorn suchen den Kontakt zu einem einheimischen Arzt. Er findet sich in dem Chirurgen Dr. Ram Shrestha. Ram Shrestha hat in Österreich studiert und gearbeitet und 1996 mit der Unterstützung österreichischer Freunde in seiner Heimat Dhulikhel, einer Stadt östlich von Kathmandu, ein Krankenhaus eröffnet. Nach einiger Überzeugungsarbeit erklärt sich Ram Shrestha zur Kooperation bereit, und willigt ein, medizinisch geschultes Personal seiner Klinik für Bolde, das von Dhulikhel in einem knapp eintägigen Fußmarsch zu erreichen ist – eine Straßenverbindung gibt es nicht zwischen den beiden Orten –  zur Verfügung zu stellen.

1999

Während Dr. Ram Shrestha im Schein einer Taschenlampe in einem Stall in Bolde seine erste Operation, die Behebung eines Leistenbruchs, durchführt, schreiten die Vorbereitungen zur Grundsteinlegung einer Krankenstation für den Ort voran. Im Oktober ist es dann soweit: In mühsamer Handarbeit werden nach der Grundsteinlegung die Fundamente für die kleine Klinik aufgemauert. 120 000 Mark haben die Bolde-Freunde bis zu diesem Zeitpunkt schon gesammelt.

2000

Während die Bolde-Freunde wieder in ihre Heimat zurückkehren, schreitet der Bau der Krankenstation in Bolde voran. Ein Bauvorhaben in den Bergen Nepals ist freilich nicht zu vergleichen mit einer Baustelle in Europa. Das Dorf, 80 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu in der Schlucht des Sunkosi-Flusses gelegen, ist eine schwer zugängliche Streusiedlung, die sich vom Talboden in 600 Metern Höhe bis zum Kamm der Vorgebirgskette des Himalaja in 2000 Metern Höhe erstreckt. Es gibt keine direkte Zufahrt zu dem Dorf. Baugeräte wie sie hier zu Lande zum Einsatz kommen, können also dort die Arbeit nicht erleichtern. Alles muss im wahrsten Sinne des Wortes in Handarbeit bewerkstelligt werden. Konkret: Jeder Sack Zement, jeder Eisenträger, jedes einzelne Bauteil muss geschultert und in mehrstündigem Fußmarsch bergwärts gebracht werden. Frauen tragen 50 Kilogramm schwere Sandsäcke vom Fluss hinauf zur Baustelle. Steinblöcke werden aus dem Berg gebrochen und in den Höfen der Bauern für den Bau zugeschlagen. Den Bau begleiten Dr. Ram Shrestha und Tilak Lama. Der in Bolde geborene Tilak Lama konnte durch die Hilfe der Bolde-Bewohner eine höhere Schule absolvieren und studieren; dafür unterstützt er nun die Arbeit der Bolde-Freunde als Koordinator vor Ort. Und natürlich ist auch Dr. Ram Shrestha in die Planung einbezogen; er sorgt dafür, dass die Vorstellungen der künftig dort arbeitenden Ärzte berücksichtigt werden. Am 11. Oktober ist es dann soweit: Der erste Bauabschnitt, das Erdgeschoss, ist abgeschlossen, es gibt eine festliche Einweihungsfeier. Und zu Hause in Gilching wird ebenfalls gefeiert: Anfang Dezember laden die Bolde-Freunde in die Aula des Christoph-Probst-Gymnasiums zum ersten Mal zu einem Nepal-Abend. Dort stellen sie ihr Projekt einer breiten Öffentlichkeit vor. Es gibt einen heiteren Abend mit Tee und Lebkuchen, Butterbrezen und Sekt und viel schönem Kunsthandwerk aus Ostasien. Der Abend ist gut besucht – dank eines Berichts in der Münchner Abendzeitung (AZ). Unter der Überschrift „Münchner baut Klinik auf dem Dach der Welt“ schildert AZ-Autor Martin Schäfer das Projekt des Apothekers und seiner Freunde. Nicht nur viele Leser der AZ beginnen sich für die Bolde-Freunde zu interessieren. Auch das Fernsehen – Sat.1 – und der Bayerische Rundfunk  – werden aufmerksam auf das Hilfsprojekt und berichten. Berichte mit positiven Folgen: Es wird eifrig gespendet.  Der Nepal-Abend in der Schule bleibt keine einmalige Veranstaltung. Alljährlich am Vorabend des ersten Advents wiederholt sich das Zeremoniell, alljährlich gibt es an diesem Abend auch einen Rechenschaftsbericht der Boldefreunde in Form eines Films.

2001

Inzwischen hat sich der Kreis derer, die in Bolde helfen wollen, so vergrößert, dass das gesammelte Geld nicht nur für eine ebenerdige Krankenstation reicht, sondern auch an deren Aufstockung gedacht werden kann. Die große Spendenbereitschaft in Deutschland ermöglicht den Bau eines weiteren Geschosses. Auch eine Solaranlage auf dem Dach des Krankenhauses zur Stromgewinnung ist vorgesehen – künftig soll niemand mehr im Schein einer Taschenlampe auf den OP-Tisch kommen. Das Jahr über wird eifrig gebaut in Bolde. Und auch die Solaranlage kann, mit Hilfe des Solarfördervereins Bayern e. V., der wiederum von der E.ON AG unterstützt wird, installiert werden. Am 9. November, dem 63. Geburtstag des Bolde-Initiators Horst Schmel, wird das Krankenhaus inklusive Solaranlage mit den Bolde-Einwohnern, dem Ärzteteam und 20 deutschen Helfern vor Ort  sowie im Beisein der Bolde-Freunde, eingeweiht. Die Hälfte der Baukosten von 120 000 Mark wurde aus allgemeinen Spenden finanziert, die andere Hälfte haben die Bolde-Freunde aus ihrer Tasche drauf gelegt. Sie garantieren auch die laufende Finanzierung der Klinik, die mit jährlich 10 000 Mark veranschlagt ist. Kein Werk der Bolde-Freunde, aber eine große Erleichterung für sie und vor allem die Menschen, die in Bolde leben (und vielleicht einmal krank werden): Mit Mitteln der nepalesischen Regierung konnten die Bewohner von Bolde und ihrer Nachbargemeinden eine Piste nach Bolde bauen. Zwar ist diese „Straße“ nur in der Trockenzeit, also etwa sechs Monate im Jahr, befahrbar, doch dann verkürzt sie die Fahrt zwischen Dhulikhel und Bolde um viele Stunden und erleichtert auch den Transport sperriger Güter. Und noch ein Ereignis ist in diesem Jahr zu vermelden: Die Bolde-Freunde wollen ihrem Charity-Engagement ein offizielles Gesicht geben und gründen die Namaste-Stiftung. Die Stiftung erhält sogleich den Status der Gemeinnützigkeit, weil in ihren Statuten festgelegt ist, dass jeder Spenden-Cent ausschließlich und ohne Abzug zum Einsatz kommt – sprich: Sämtliche Verwaltungskosten werden ohne Ausnahme von den Stiftungsmitgliedern aus eigener Tasche getragen, sämtliche Spenden gehen ohne Abzug nach Nepal. Wortwörtlich heißt es in Paragraph 6, Absatz 2 der Stiftungsurkunde: „Die Tätigkeit ist ehrenamtlich. Anfallende Auslagen werden von den Stiftungsvorstandsmitgliedern selbst getragen. Für Sach- und Zeitaufwand der Mitglieder des Stiftungsvorstandes erfolgt kein finanzieller Ausgleich.“ Hinzu kommt, dass mit diesem Status Spenden mittels Spendenquittung künftig auch steuerlich absetzbar sind. Gewiss ein Anreiz für so manchen, tiefer in den Spendensäckel zu greifen.

2002

In diesem Jahr überschatten Übergriffe der Maoisten die politische Situation in Nepal. Der Tourismus, wohl eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, muss schwere Einbußen hinnehmen. Die Wirtschaft Nepals gerät ins Stocken –  und wie so oft treffen derartige Einschnitte die arme Bevölkerung besonders hart. Aufwendungen zur Gesundheitsvorsorge werden für die meisten unbezahlbar. Glücklicherweise bleiben das Dhulikhel-Hospital und seine Außenstationen von Übergriffen der Maoisten verschont, so dass die Bolde-Freunde auch in diesem Jahr ihre Arbeit weitgehend ungehindert fortsetzen können. Zur Verbesserung der spärlichen Infrastruktur im Gebiet von Bolde wird am 2. August eine Hängebrücke mit Seilzug über den 100 Meter breiten Sunkosi-Fluss in Betrieb genommen. Gerade rechtzeitig, denn während des Monsuns nehmen durch Nässe bedingte Krankheiten und Verletzungen erfahrungsgemäß zu. Der Fußweg ins Krankenhaus für die Menschen auf dem anderen Flussufer wird durch die Brücke um fünf Stunden verkürzt und auch das Risiko, sich während des mühsamen Marsches über gefährliche Bergpfade zusätzlich zu verletzen, kann minimiert werden. Doch auch weitere Baumaßnahmen sollen in Angriff genommen werden. Spendengelder von mehr als 80 000 Euro ermöglichen die Erweiterung des Bettentraktes im Mutterkrankenhaus in Dhulikhel. Zudem soll ein Hilfsfonds eingerichtet werden, der mittellosen Patienten eine medizinische Behandlung oder Versorgung mit Medikamenten ermöglicht. Und noch eine wichtige Personalie ist in diesem Jahr zu verzeichnen: Hannelore Weber, die sich schon lange für Bolde engagiert und der die Stiftung auch die Unterstützung des Solar Energiefördervereins Bayern e.V. verdankt, wird als Neunte im Bunde der Namaste-Stiftung aufgenommen. Gemäß ihrem Leitmotiv „Gesunde und glückliche Kinder sind die beste Voraussetzung für eine menschliche Zukunft“ will sie sich vor allem für die körperliche und geistige Gesundheit – sprich Bildung – der Kinder einsetzen. Während Hannelore Weber sich den kleinen Nepali widmet, werden einzelne Bereiche der Bolde-Arbeit unter den Bolde-Freunden aufgeteilt. Rosi Friedl organisiert die gesamte Verwaltungsarbeit. Sie verschickt sowohl Dankesbriefe wie Spendenquittungen. Und nicht zuletzt sorgt sie auch dafür, dass beim jährlichen Nepal-Bazar vor Weihnachten wieder schöne Dinge im Angebot sind. Spenderbetreuung gehört auch zum Aufgabengebiet von Erna und Klaus Schuler; sie kümmern sich vor allem um die Dankesbriefe an die regelmäßigen Spender, derer es rund 1500 gibt.  Das Ehepaar Schuler ist es auch, das Kinder unter dem Motto „Schüler helfen Schülern“ aktiviert hat. Für breite Resonanz außerhalb des Münchner Raums sorgen auch Gisela und Charlie Haberkorn. Sie tragen die Bolde-Begeisterung nach Italien, genauer nach Ligurien. An ihrem langjährigen Ferienort haben sie längst dafür gesorgt, dass es auch Bolde-Amici gibt. Deren Erzeugnisse – Öl, Essig, Likör, Pesto und Marmelade – bereichern alljährlich den Weihnachtsbazar um Köstlichkeiten vom Mittelmeer. Sepp Friedl, gelernter KFZ-Mechaniker und ausgestattet mit mindestens zwei rechten Händen, ist dank seines handwerklichen Know how alljährlich der gute Geist in Nepal. Um die Gesamt-Koordination und den regelmäßigen Kontakt zwischen Deutschland und Nepal sowie die Pressearbeit kümmern sich Ursula und Horst Schmel. Und nicht zu vergessen das halbe Hundert der so genannten „Heinzelmänner und -frauen“, die das Jahr über die Stiftung ehrenamtlich unterstützen.

2003

Die politische Lage in Nepal entspannt sich wieder. Mit den Maoisten wird ein Waffenstillstand vereinbart. Auch für die Bolde-Freunde ist das eine gute Nachricht, denn sie können so ihre Ziele besser weiter verfolgen. Mit den beiden Bauvorhaben in Bolde und Dhulikhel ist nämlich ihre Arbeit noch lange nicht getan, wenn auch die größten Hürden zunächst einmal genommen sind. Jetzt ist Detailarbeit angesagt. Detailarbeit in Sachen Hygiene, in Ernährungsfragen, in Fragen der Familienplanung. Die Einrichtung der Krankenstation in Bolde soll Hand in Hand gehen mit der Verbesserung der Infrastruktur. Konkret kümmern sich die Bolde-Freunde, die Ärzte und das medizinische Personal vor Ort um eine intensive Familienberatung. Angeboten wird, neben der Sterilisierung des Mannes, ein Hormonimplantat für die Frau, das die Fruchtbarkeit für drei bis fünf Jahre unterbricht. In den Schulen Boldes gibt es für die Kinder Hygieneunterricht. Auch für sauberes Trinkwasser soll gesorgt werden. Und weil Hilfsbereitschaft anscheinend eine ansteckende Eigenschaft ist, haben sich Kinder aus Pasing, Weilheim und Herrsching auf Initiative des Ehepaars Schuler dafür eingesetzt, dass den Schulkindern in Bolde durch die Anschaffung von Wassertanks  sauberes Wasser zur Verfügung steht. Das freut nicht nur die Kinder im fernen Nepal, derartige Aktivitäten freuen auch den harten Kern der Bolde-Freunde, denn sie können daraus schließen, dass ihr Werk eines Tages von der nächsten Generation fortgesetzt wird und ihr Wirken nicht in Vergessenheit gerät. Die Bolde-Freunde – eine unendliche Geschichte. Detailarbeit mit großer Nachhaltigkeit ist auch der Anbau von 1500 Zitruspflanzen, die die Einkommens- und Ernährungssituation in der Gegend verbessern hilft. Und noch einen Rekord können die Bolde-Freunde nach ihrem diesjährigen Nepal-Abend im Advent, dem vierten in Folge, vermelden: Sie sind Millionäre – DM-Millionäre, haben sie doch seit Beginn ihrer Arbeit nun schon 500 000 Euro gesammelt.

2004

Das neue Jahr in der Chronik der Bolde-Freunde ist von der Trauer um Hannelore Weber überschattet, die erst vor zwei Jahren in den Stiftungsvorstand aufgenommen wurde. Hannelore Weber stirbt nach kurzer schwerer Krankheit im März im Alter von 58 Jahren. Ihre Asche wird auf ihren Wunsch im Herbst in Bolde beigesetzt. Die Grundsteinlegung für ein Kinderkrankenhaus in Dhulikhel, die im Herbst dieses Jahres erfolgt, kann sie, die sich so eingesetzt hat für die Belange der nepalesischen Kinder, nicht mehr miterleben. Mit der Gründung des Hannelore Weber Kinderhilfsfonds soll ihre Arbeit gewürdigt und – vor allem – fortgesetzt werden. Denn noch immer ist die Kindersterblichkeit in Nepal mit 10,4 Prozent extrem hoch. Im Vergleich: In Deutschland liegt sie bei 0,5 Prozent (Stand 2004). Jedes dritte Kind im Schatten des Himalaja erreicht nicht den 18. Geburtstag. Ohne ärztliche Hilfe führen oft schon kleinere Infekte zum Tod. Magen- und Darmerkrankungen, Typhus und Cholera setzen vor allem auch den kleinen Patienten zu. Insgesamt liegt die Lebenserwartung der Nepali bei 50 Jahren. Doch nicht nur die medizinische Versorgung der Kinder soll gewährleistet werden. Mit Mitteln aus diesem Fonds soll die räumliche Situation in den Schulen verbessert werden – von Fließwasser über Toiletten bis zu Fenstern, Türen und Fußböden. Kindern armer Eltern wird auch finanziell unter die Arme gegriffen mit der Bezahlung von Schulbekleidung, Heften, Büchern und Schreibmaterial.

2005

In Dhulikhel schreiten die Bauarbeiten für das Kinderkrankenhaus – das bisher größte und wichtigste Projekt der Bolde-Freunde – voran. Es wird das erste Kinderkrankenhaus der Region mit einem Einzugsgebiet von 1,5 Millionen Menschen sein. Doch auch in Bolde fehlt es, trotz des Engagements der Bolde-Freunde in der Vergangenheit, an vielem: an Laborgeräten, an Medikamenten. Parallel zur Unterstützung dieser Projekte wird auch das Engagement im schulischen Bereich vorangetrieben. In der größten der vier Bolde-Schulen, der Shivalaya-Schule mit etwa 300 Kindern, steht der Neubau von zwei Klassenräumen an. Toiletten und ein Lehrerzimmer sind bereits im Bau. Die Shivalaya-Schule soll zu einer zehnklassigen Realschule ausgebaut. werden. Für begabte Schüler rückt damit der Übertritt in eine höhere Schule näher. Auch für die anderen drei Schulen Boldes ist die Ausstattung mit Toiletten und Wassertanks geplant. 23 Euro kostet der Bau einer Toilette, für einen Europäer eine vergleichsweise geringe Summe, für einen Durchschnitts-Nepali aber mehr als ein Monatseinkommen, das bei etwa 17 Euro liegt. Noch weniger verdient die Bergbevölkerung, wie sie um Bolde anzutreffen ist und die mehr als 50 Prozent der Nepali ausmacht. Hier wird das Einkommen auf etwa 5 Euro monatlich geschätzt. Doch nicht nur aus Dhulikhel und Bolde gibt es Neuigkeiten zu vermelden. Neu im Kreis der Namaste-Stiftung ist Susi Cremer. Auch sie kam über ihre Nepal-Begeisterung zu den Bolde-Freunden. Tatkräftig steigt sie in die Bolde-Arbeit ein, ist sozusagen eine Feuerwehr, die stets einsatzfähig ist, wenn es irgendwo brennt. Und sie übernimmt auch sofort die Arbeit der verstorbenen Hannelore Weber. Wie so oft im Leben liegen Freude und Trauer nahe beieinander. Am 2. Oktober musste sich die Namaste-Stiftung von Charlie Haberkorn, einem Bolde-Freund der ersten Stunde, für immer verabschieden. Haberkorn setzte sich 1998 vor Ort ein, Dr. Ram Shrestha, den Direktor des Mutterkrankenhauses Dhulikhel, für die Errichtung und Betreuung einer Krankenstation in Bolde zu gewinnen. Auch war er durch den Einsatz materieller Mittel wesentlich an der Gründung der Namaste-Stiftung beteiligt. Stets hat er sich für alle Belange der Stiftung engagiert. Seinem fachlichen Know how als Mathematiker ist vor allem auch die Errichtung der Photovoltaikanlage zur Energieversorgung der Krankenstation in Bolde zu verdanken. Haberkorn starb, 70jährig, an den Folgen einer schweren Herzerkrankung.

2006

Zehn Jahre nach der folgenreichen Trekking-Tour, auf der Ursula Schmel erkrankte, und dem Schmelschen Gelöbnis, einen „besonderen Dank“ an die Nepali zu richten, können sich die Bolde-Freunde eines ganz besonderen Ereignisses erfreuen. Im Oktober kann in Dhulikhel die Fertigstellung des Kinderkrankenhauses gefeiert werden. Damit hat das Dhulikhel-Hospital alle notwendigen Fachrichtungen vereint, um von der Kathmandu Universität als akademisches Krankenhaus anerkannt zu werden. Im Dhulikhel-Hospital dürfen nun selbst Ärzte ausgebildet werden, die in Zukunft ständig in den Außenstationen – wie zum Beispiel in Bolde – vor Ort sein werden. Ein besonderer Erfolg auch für Dr. Ram Shrestha, der vor zehn Jahren mit einem kleinen Krankenhaus in Dhulikhel begonnen hat. Mit dem Erweiterungsbau des Kinderkrankenhauses sind alle größeren Bauprojekte der Stiftung – Krankenstation Bolde, Schulerweiterung, Straßen, Hängebrücke – vorläufig abgeschlossen. „Arbeitslos“ freilich werden die Bolde-Freunde damit auch in Zukunft nicht. Jährlich müssen Mittel für den auf 100 000 Euro bezifferten ständigen Charity-Fonds erbracht werden. Er garantiert, dass auch arme und mittellose Patienten ärztlich im Krankenhaus versorgt werden können. Auch die inzwischen von 5000 auf 10 000 Euro aufgestockten jährlichen Betriebskosten für das Krankenhaus in Bolde wollen sichergestellt sein. Hinzu kommen jährlich weitere 10 000 Euro für das Werkstatt-Haus des Dhulikel-Hospitals. Dort werden alle Reparaturen, die zum Beispiel für medizinisches Gerät anfallen, erledigt. Auch das Reinigunspersonal für das Krankenhaus wird aus diesem Fonds finanziert. Und weiterhin: Viel Detailarbeit.

2007

Zur Detailarbeit zählt auch das Projekt Raucharme Öfen. Die in Nepal so häufig auftretenden Lungenerkrankungen sind vor allem eine Folge der Rauchentwicklung bei offenen Feuerstellen in den Häusern Boldes. Mit Mitteln aus der Namaste-Stiftung sollen die Wohnungen in Bolde deshalb nach und nach mit geschlossenen Feuerstellen ausgestattet werden. Dieter Maus, Ofensetzer aus Weßling, konstruiert deshalb probeweise in Gilching einen Ofen, der in Bolde künftig statt der schädlichen offenen Feuerstellen für Kochmöglichkeit und Wärme sorgen soll. Ihre Herbst-Reise nach Bolde treten die Bolde-Freunde mit einem Bauplan dieses Ofen-Prototyps im Gepäck an. Mit großer Spannung wird das erste Exemplar in Betrieb genommen. Es funktioniert und geht sozusagen „in Serie“. Drei nepalesische Handwerker werden vor Ort in den Ofenbau eingewiesen, damit die Nepali ohne Hilfe von Außen zu ihren neuen Befeuerungsanlagen kommen. Denn auch hier gilt wieder „Hilfe zur Selbsthilfe“, ein Grundsatz, den die Namaste-Stiftung bei all ihren Projekten verfolgt. Weshalb auch zum Beispiel in der Krankenstation in Bolde weder Entwicklungshelfer noch deutsches medizinisches Personal zum Einsatz kommt. Inzwischen kochen und wärmen sich an Maus’ Ofen in Bolde in rund 150 Haushalten die Menschen annähernd rauchfrei. Und auch aus der Krankenstation von Bolde gibt es Neues zu vermelden. Sie hat nun endlich einen ständig dort anwesenden Arzt dank der Aufrüstung mit medizinischen Geräten und Laborgeräten, wie sie sich in jeder deutschen Allgemeinpraxis finden – zum Beispiel Ultraschall und EKG. Außerdem werden im Frühjahr während eines zweitägigen Kindercamps 600 Schulkinder einer Vorsorge-Untersuchung unterzogen – ein Riesenschritt in präventiver Medizin zur Verringerung der Kindersterblichkeit.

2008

Eine Reihe von Großprojekten ist vorangetrieben worden. So kann die auf zehn Klassen erweiterte Sivalaya-Schule im Frühjahr eingeweiht werden. Sie hat damit den Status einer Realschule. Besonders stolz sind die Bolde-Freunde auf die Tatsache, dass die Schule von der Regierung Nepals als beste und modernste Schule im Kavre-Distrikt (1,8 Millionen Einwohner) ausgezeichnet wird. Ein weiteres Schulprojekt wird in Bhanjang in Angriff genommen. Die alte Schule ist Einsturz gefährdet und muss abgerissen werden; mit dem Wiederaufbau kann begonnen werden. Und auch in Bolde gibt es wieder eine Baustelle. Für eine Erweiterung der Krankenstation wird der Grundstein gelegt. In dem Gebäude soll nach Fertigstellung sowohl Platz für Krankenbetten sein wie ein Schulungsraum für den so wichtigen Hygieneunterricht untergebracht werden. Bautätigkeit wird es demnächst auch wieder in Dhulikhel geben. Hier ist zur Verbesserung der Infrastruktur des Krankenhauses ein Werkstattgebäude in Planung. Maurer, Elektriker, Schlosser, Installateure sowie ein Ingenieur für die medizinisch-technischen Geräte werden hier unter einem Dach vereint. Abschließend noch eine Personalie: Cornelia Sir kommt als neues Mitglied zur Namaste-Stiftung. Sie erhöht die Zahl der Vorstandsmitglieder damit wieder auf neun. Die Krankenschwester und Betriebswirtin arbeitet in einer Firma, die weltweit den Bau von Kliniken plant. Hinzu kommt, dass Cornelia Sir  ziemlich fit ist am Computer und die Namaste-Stiftung stolz ist, sich dank ihrer endlich auf einer eigenen Website präsentieren zu können.

2009

In diesem Jahr bricht Bolde gewissermaßen in die Neuzeit auf. Der Ort wird endlich an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Das ist zwar kein unmittelbares Werk der Bolde-Freunde; ohne ihre strukturellen Vorarbeiten allerdings, so kann vermutet werden, hätte dies sicherlich noch etwas länger gedauert. Der öffentliche Strom ist für die Einheimischen in vielerlei Hinsicht ein gewaltiger Schritt in die Zukunft, bringt er doch sozusagen die große weite Welt in die von Landflucht bedrohte Bergregion. Ein alter Nepali, Analphabet wie ein Großteil der Bevölkerung – Schätzungen gehen davon aus, dass jeder zweite Nepali nicht lesen und schreiben kann – meint, bisher sei er in Sachen Politik eigentlich blind gewesen, doch der Strom, der ihm nun Zugang zu elektronischen Medien ermöglicht, habe ihn sehend gemacht. Und auch die Kinder der Mittelschule freuen sich über diese Art der Globalisierung, können sie doch nun auch ihre Fähigkeiten an den von eigenen Landsleuten gesponserten Computern testen. Und natürlich hat die Anbindung an das öffentliche Stromnetz auch für das Krankenhaus positive Auswirkungen, konnte die Photovoltaik-Anlage doch zum Beispiel den großen Energiebedarf, den Röntgengeräte erfordern, nicht decken. Nunmehr jedoch ist es möglich, vor Ort Röntgenaufnahmen herzustellen. Dennoch wird auch die Photovoltaik-Anlage erweitert und wiederum ist es der Firma E.ON AG zu danken, dass dies geschehen konnte. Darüber hinaus können sich die Bolde-Freunde in diesem Herbst über die Fertigstellung eines Erweiterungsbaus der Krankenstation in Bolde freuen. Auch der Rohbau der Werkstatt für das Dhulikhel-Hospital steht. Und an der Shivalayaschule unterzieht sich der erste Jahrgang der staatlichen Prüfung zur Mittleren Reife. Dass es die Schüler schaffen, als beste ihrer Region abzuschließen, ist den Bolde-Freunden eine besondere Freude – auch wenn nicht sie, sondern die Kinder es waren, die dafür büffeln mussten. Natürlich soll bei all diesen Großprojekten die so genannte „Kleinarbeit“ nicht vergessen werden –  wie die Gesundheitserziehung für Schulklassen und Frauen im gebärfähigen Alter zum Beispiel. Etwa 100 Personen konnten zu Themen wie Geburtenkontrolle oder Krebsvorsorge informiert und geschult werden. Und last not least freuen sich die Bolde-Freunde über die anhaltende Spendenfreudigkeit aller neuen und alten Bolde-Fans, die das Spendenkonto in diesem Jahr auf 1,5 Millionen Euro hat ansteigen lassen.

2010

Bolde ist jetzt nicht nur an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen, sondern durch den Bau einer Straße der Neuzeit um ein großes Stück näher gekommen. Betrug die Transportzeit eines Kranken von Bolde in die Ambulanz des Dhulikhel-Hospitals bis vor kurzem noch sechs bis sieben Stunden, so verringert sich dieser Weg durch die von der nepalesischen Regierung angelegte Verkehrsanbindung auf zwei bis drei Stunden. Für die Bolde-Freunde eine große Freude, jedoch kein Anlass, die Hände in den Schoß zu legen. Der 2009  fertiggestellte Erweiterungsbau wird nicht nur als Krankenstation genutzt. Bei Unterbelegung dient er als Schulungsort für Hygieneunterricht und Erste-Hilfe-Kurse. Seine Multi-Media-Ausstattung (Computer, Beamer, Projektionsleinwand) ist vor allem auch für die Kinder eine Sensation: Wird ihnen doch hier per Film gezeigt, wie man sich beispielsweise richtig die Hände wäscht. Erwachsene finden hier Infos zu Krebsvorsorge und -früherkennung, zu Geburtenkontrolle und ebenfalls zu Hygiene-Fragen. Auch in Sachen Bildung blieb die Stiftung weiter aktiv. So konnten zehn zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden. Weitergeführt wird ebenso das Projekt der Schulpatenschaften, um das sich Erna Scheuermann und Klaus Schuler intensiv kümmern. Analphabetismus ist nach wie vor ein großes Problem in Nepal, weil die Kinder als Arbeitskraft in der Landwirtschaft gebraucht werden und die Eltern oft nicht die Mittel haben, ihre Kinder in die Schule zu schicken.  Die Hannelore-Bolde-Kinderhilfe will hier helfen. Mit 300,- Euro pro Jahr kann fünf Kindern der Schulbesuch ermöglicht werden. Allerdings: Dem oft geäußerten Wunsch nach Einzelpatenschaften wird auch künftig nicht entsprochen. Aus gutem Grund: Man will vermeiden, willkürlich einzelne Kinder zu fördern. Tilak Lama, zu Hause in Bolde, koordiniert in Zusammenarbeit mit dort ansässigen Lehrern die Verteilung der Mittel. Zurück zur Bautätigkeit in Nepal. Der Werkstattbau im Mutterkrankenhaus Dhulikhel ist in Betrieb genommen; medizinische Geräte können hier nun gewartet werden. Doch auch für andere Reparaturen und Sanierungsarbeiten steht er zur Verfügung. Insgesamt ist das Spendenkonto um 230 000,- Euro angewachsen. Doch weil Bolde nicht Nepal und Nepal nicht Bolde ist, sich Bolde in zehn Jahren überdies gewissermaßen zu einem Modell entwickelt hat, soll dieses Modell jetzt vervielfältigt werden. Bildlich gesprochen: Man wird im Lande der Achttausender nun einen weiteren „Achttausender“ in Angriff nehmen. 40 Prozent aller Nepali leben noch heute in ähnlichen Situationen wie die Menschen der Streusiedlung Bolde im Gründungsjahr der Stiftung. 300 Orte sind es schätzungsweise. Auch Manekharka ist so ein Dorfverband in etwa 1800 Metern Höhe. Etwa 35 000 Menschen umfasst das Siedlungsgebiet, auch hier ist eines der wichtigsten Ziele, die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Bolde steht dafür als Vorbild, und auch hier soll eine Anbindung an das Dhulikhel-Hospital als erstes Ziel angesteuert sowie eine Notversorgung vor Ort gesichert werden. Auch hier ein Beispiel, was es heißt, in Manekharka krank zu werden: In der Trockenzeit beträgt die Fahrzeit nach Dhulikhel mit dem Geländewagen sieben Stunden, während der Regenzeit sind es drei Autostunden plus acht Stunden Fußmarsch. Doch damit nicht genug. Ein Bolde-Freund, der ungenannt bleiben will (und soll), plant, das Modell Bolde nach Dhungkharka, einem Siedlungsgebiet südwestlich von Dhulikhel, zu tragen. 50 000 Menschen leben dort derzeit noch ohne ärztliche Versorgung. Der ungenannte Bolde-Freund will das Projekt Dhungkharka total aus eigener Tasche, ohne dass er auf den allgemeinen Spendentopf zugreift, finanzieren. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Dieser Spruch von Erich Kästner wird die Bolde-Freunde also weiter begleiten.

2011

Bolde - ein Beispiel, das Schule macht. Mehr und mehr konzentriert sich die Hilfe nicht ausschließlich auf die Kerntruppe der neun Bolde-Freunde, auch andere Hilfsorganisationen, Firmen oder finanzstarke Privatpersonen engagieren sich im Sinne der Bolde-Freunde und lassen ihre Spenden zweckgebunden über die Namaste-Stiftung laufen. Sicher ein Effekt der Tatsache, dass Spenden dieser Organisation ohne Abzug jeglicher Verwaltungskosten dem Spendenprojekt zugute kommen. Und auch der nepalesische Staat zeigt Kooperationsbereitschaft mit der Stiftung – siehe zum Beispiel die öffentliche Stromversorgung Boldes. Doch zurück zur konkreten Arbeit der Stiftung in den vergangenen zwölf Monaten: Schon Ende 2010 machte die Großspende einer Familie den Bau eines Ausbildungszentrums zur Schulung und Weiterbildung medizinischer Fachkräfte in Dhulikhel und seiner 20 Außenstationen möglich. Darüber hinaus wurden in Dhulikhel weitere Großprojekte angekurbelt wie da sind eine gastro-enterologische Abteilung für ambulante Patienten und eine zahnmedizinische Klinik. Unterstützung durch den Charity-Fonds der Namaste-Stiftung erfahren darüber hinaus die staatlichen Mutter-Kind-Geburtszentren. Zwar unterstützt der nepalesische Staat Gebärende einmalig mit einer Zuwendung, die jedoch nur die Kosten einer normalen Schwangerschaft und Geburt deckt. Liegt eine Risikoschwangerschaft vor oder treten während oder nach der Entbindung Komplikationen auf, müssen die Mehraufwendungen von den Patientinnen selbst getragen werden – was diesen oft nicht möglich ist. Auch hier wollen die Bolde-Freunde helfen – um der nach wie vor hohen Mutter-Kind-Sterblichkeit, die in strukturschwachen Regionen über zehn Prozent liegt, entgegen zu wirken. Ein weiteres Großprojekt konnte in Dhungkharka auf den Weg gebracht werden. Ähnlich wie früher Bolde liegt auch dieser Ort fernab jeglicher Anbindung an einen öffentlichen Verkehr. Das Dorf in 1800 Metern Höhe mit einem Einzugsgebiet von 30 000 Menschen ist vom Krankenhaus Dhulikhel nur in einer abenteuerlichen mehrstündigen Fahrt mit dem Geländewagen zu erreichen. Ende November konnte nun dort der Rohbau eines Krankenhauses, das auch Dhulikhel angegliedert ist, gefeiert werden. Die Realisierung dieses Hauses ist der Spende einer Bolde-Freunde-Familie zu verdanken, die damit ihrer mit 16 Jahren verstorbenen Tochter gedenken will. Und last but not least Manekharka: Dieses neue Projekt – siehe Chronik 2010 – „unser neues Bolde“, wie es einer der Bolde-Initiatoren, Horst Schmel, nennt, führt weiter die Dringlichkeitsliste der Namaste-Stiftung an. Mittlerweile wurde die dortige Krankenstation als Außenstation des Dhulikhel-Krankenhauses übernommen – an den menschenunwürdigen, baulichen Missständen konnte sich dadurch aber bisher kaum etwas ändern. Allerdings sieht die Planung der neun Bolde-Freunde der Namaste-Stiftung einen Neubau in zwei Jahren vor – die Tatsache, dass der Kreis der Bolde-Freunde außerhalb der Stiftungsmitglieder inzwischen auf etwa 2000 Bolde-Freunde angewachsen ist, lässt die Hoffnung zu, dass der Plan auch realisiert werden kann.

2012

Das 1996 eröffnete Krankenhaus in Dhulikhel zählt heute 800 Mitarbeiter. Das Hospital unter der Leitung des Chirurgen Ram Shrestha gilt als das Mutterkrankenhaus für mittlerweile 30 Außenstationen mit einem Einzugsgebiet von 2,7 Millionen Menschen. Einige dieser Außenstationen – das erste Projekt entstand in Bolde – verdanken ihr Bestehen der Namasté-Stiftung. Die beiden letzten Krankenstationen, die aus Mitteln der Bolde-Freunde finanziert werden konnten, sind Dunkharka und Manekharka, die inzwischen voll in Betrieb genommen werden konnten. Damit ist die medizinische Versorgung von 80 000 Menschen gesichert. Eine Krankenstation zu errichten, ist die eine Sache, sie funktionsfähig zu halten, die andere, nicht minder wichtige Aufgabe. Ob Bolde, Dunkharka oder Manekharka – auch laufende Kosten müssen gedeckt werden. So mussten in Bolde, dem ersten Projekt der Bolde-Freunde, 2012 dringend Fenster und Türen ausgetauscht werden, weil die Holzsubstanz angegriffen war und dadurch Staub, Schmutz und Wasser im Inneren der Krankenstation die Arbeit erschwerten. Oberste Priorität für die Namasté-Stiftung hat auch der Charity-Fond, der jährlich mit 100 000,- Euro angesetzt ist und die medizinische Versorgung mittelloser Patienten sichert. Für all diese Projekte konnten auch im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Spender gefunden werden, so dass beim traditionellen Nepal-Tag in Gilching Schecks in einer Gesamthöhe von 409 000,- Euro an Dr. Ram Shrestha übergeben werden konnten. Weitere 100 000,- Euro zum Bau  einer Intensivstation hat die „Sternstunden“-Benefiz-Aktion des Bayerischen Rundfunks zur Verfügung gestellt. In dieser Intensivstation sollen Risikoschwangerschaften betreut werden, denn nach wie vor ist die Sterblichkeit im Wochenbett hoch (siehe auch 2011).  Doch nicht nur Kranken wollen die Bolde-Freunde helfen. So hat eine Gruppe Südtiroler Kinder – ein Bolde-Freund hatte von seinen Nepal-Aktivitäten beim Urlaub dort erzählt – spontan für einen Kindergarten in Bolde 32 000,- Euro gesammelt. Er konnte bereits im Herbst eingeweiht werden. Auch die Realschule Weilheim-Herrsching, die sich seit vielen Jahren für Bildung und Erziehung in Nepal einsetzt, hat ihr Engagement fortgesetzt. Günther Strödel, ehemals Rektor dieser Schule und nun in Pension, hat sich darüber hinaus bereit erklärt, sich um die Förderung der Schulen im Bolde-Gebiet zu kümmern. Und weil wir schon bei den Personalien sind, hier noch einige Neuigkeiten rund um den „harten Kern“ der Namasté-Stiftung. Claudia Sir hat den Vorstand aus persönlichen Gründen verlassen. Als Neuling trat Manfred Walter, Gilchings Bürgermeister, dem Vorstand bei. Er will sich insbesondere für die eigenständige Energieversorgung rund um Dhulikhel einsetzen.  Neu auch Michael Gerling, der auf Halbtagesbasis der erste (und bis auf weiteres auch einzige) bezahlte Bolde-Freund ist. Die Verwaltungsarbeit und manch andere Dienstleistung (zum Beispiel bei der Organisation des Bolde-Tags) wurden für den Bolde-Vorstand einfach zu viel, so dass man sich entschloss, Herrn Gerling als Sekretär einzustellen. Und schließlich freuen sich Ursula und Horst Schmel, Vorstandsvorsitzende der Namasté-Stiftung, über die Gilchinger Verdienstmedaille.

2013

Auch dieses Jahr konnten wieder einige große Bauprojekte in Angriff genommen werden. In Dhulikhel wurde der erste Bauabschnitt des Mutter-Kind-Geburtszentrums abgeschlossen. Die Mittel dafür sind der ständig anwachsenden Schar der Bolde-Freunde zu danken, die allein bis Mitte des zurückliegenden Jahres 200 000,- Euro gespendet haben. Weitere 100 000,- Euro erhielt die Stiftung von der „Sternstunden“-Aktion des Bayerischen Rundfunks. Diese Spende ermöglichte die Einrichtung einer Intensivstation für Neugeborene. Als weiteres Vorhaben in Dhulikhel ist die Errichtung einer Dentalklinik zu nennen, deren erster Bauabschnitt eingeweiht wurde. Sie dient nicht nur der Patientenversorgung, sondern auch der Ausbildung von Zahnärzten. Damit ist, dank einer Spende der Regensburger Krones AG, ein weiterer Mosaikstein in Sachen medizinischer Rundumversorgung gelegt. Ebenfalls in Dhulikhel wurde der Grundstein für ein Selbstversorger-Hostel gelegt. Hier können in Mehrbettzimmern Angehörige von Patienten, die im Dhulikhel-Krankenhaus ärztlich versorgt werden müssen, übernachten. Eine private Freundin und Förderin des Dhulikhel-Krankenhauses im Raum Regensburg hat dies mit einer Großspende ermöglicht. Manekharka, das nun schon  im zweiten Jahr in Betrieb ist, konnte, dank der Spendenfreudigkeit von Mitarbeitern einer Radiologischen Praxis in Regensburg, mit wichtigen  medizinischen Geräten ausgestattet werden. Den rührigen Regensburgern, die auf ihr zusätzliches Weihnachtsgeschenk des Praxisinhabers verzichtet haben, ist außerdem die Anschaffung eines transportablen Röntgengerätes sowie eines Beatmungsgerätes für Frühgeborene in Dhulikhel zu verdanken. Und die Uniklinik in Regensburg konnte Anästhesiegeräte zur Verfügung stellen. Nicht unerwähnt soll die Spende eines Kreislauf-Überwachungsgerätes bleiben. Ermöglicht hat sie ein Mädchen, das als Kleinkind an ein solches Gerät angeschlossen war.

2014

Wo Ende der 90er Jahre alles begonnen hat, konnten wir 2014  wieder einen großen Schritt nach vorn tun: Die Krankenstation in Bolde wurde um ein Entbindungszentrum erweitert. Hinzu kamen außerdem     ein stationäres Röntgengerät und ein Ultraschallgerät. Hand in Hand damit gingen Bauarbeiten, um den Röntgenraum strahlensicher zu machen. Auch die personelle Aufstockung und die Schulung von Röntgenfachleuten können wir vermelden. Doch nicht nur Geld ist geflossen: Mit dem Beitritt von Günther Strödel in unsere Stiftung haben wir einen kompetenten Mitarbeiter in Sachen Schule gewonnen. Strödel, der viele Jahre in seiner Eigenschaft als Rektor einer Schule seine Schüler bei Schulfesten zu Spenden für Nepal ermunterte, ist jetzt im wahrsten Sinne des Wortes im Unruhestand, der ihn immer wieder nach Bolde führt, wo er sich um die schulischen Probleme der Bevölkerung kümmert. Strödel hat zum Beispiel dafür gesorgt, den Englischunterricht zu intensivieren und die Englischlehrer in Bolde zu schulen. Denn die Weltsprache Englisch ist für junge Nepalesen gewissermaßen das Ticket in eine berufliche Zukunft. Darüber hinaus versteht sich Strödel auch als Vermittler zwischen der Stiftung und dem Educational Government in Nepal, um ein Berufsschulsystem in Nepal auf die Beine zu stellen. Als weitere Unruhestands-Meldung sei Professor Dr. Manfred Kallerhoff genannt: Der pensionierte Chef der Urologie des Prosper-Hospitals in Recklinghausen hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: den Aufbau einer modernen Urologie im Krankenhaus von Dhulikhel. Mit ihm in die Stiftung kam auch seine Frau, Dr. Susanne Kallerhoff. Große Unterstützung erfahren wir seit nunmehr sechs Jahren vom Vorstand der Stiftung „Wasser für die Welt“, Heri Wirth. Der Unternehmer, der in Wiesent bei Regensburg einen Himalaya-Garten besitzt - die Eintrittsgelder fließen seiner Stiftung zu - ist auch in Sachen Spenden ein fleißiger Multiplikator, wenn es darum geht, Professor Dr. Ram Shrestas Vision einer flächendeckenden ärztlichen Versorgung in Nepal zu     verwirklichen. Doch nicht nur Kallerhoff, Strödel und Wirth ist für ihr Engagement zu danken, auch andere Organisationen oder Einrichtungen helfen uns. Mit 100 000 Euro unterstützt uns ein weiteres Mal die „Sternstunden“-Benefiz-Aktion des Bayerischen Rundfunks, Geld das in den Ausbau des Mutter-Kind-Zentrum in Dhulikhel fließt. Auch einige Krankenhäuser halfen mit Wissenstransfer und Sachspenden und die Regierung Nepals versprach den Bau einer Photovoltaik-Anlage für das Dhulikhel Hospital. Die Basis unserer Arbeit bleibt weiter unser Charityfonds von jährlich 100 000 Euro, dessen Bestand die kontinuierlich wachsende Gemeinde der Bolde-Freunde garantiert. Dieser Fonds sichert nach wie vor die kostenfreie medizinische Behandlung mittelloser Patienten.

2015

Ein Schreckensjahr für Nepal. Immer wieder bebte dort die Erde. 10 000 Menschen, so Schätzungen, haben die schweren Erschütterungen das Leben gekostet, Hunderttausende wurden verletzt. Eine halbe Million Häuser wurden zerstört. Ursache der Beben ist Nepals Lage an der Grenze zweier tektonischer Platten, die sich aufeinander zu bewegen und dabei Druck erzeugen. Dieser Druck hat am 25. April, in Nepal ein Sonntag, um 11.56 Uhr ein Beben der Stärke 7,8 ausgelöst. Am 12. Mai um 12.35 Uhr erschütterte ein fast gleich starkes Beben noch einmal das Land – Lebensraum von etwa fünf Millionen Menschen. Umso mehr erstaunte es, dass viele Nepalesen sagten: Wir haben Glück gehabt! Wäre es ein normaler Arbeitstag gewesen oder hätte uns das Beben nachts überrascht – Hunderttausende wären umgekommen. Die Götter waren uns gewogen. Auf diese Einstellung stieß das Ehepaar Ursula und Horst Schmel immer wieder als sie kurz nach der Katastrophe nach Nepal reisten. Und wieder einmal bewiesen die Bolde-Freunde ihre große Hilfsbereitschaft. 3500 Menschen unterstützten die Geschädigten im Erdbebengebiet. Schon vier Wochen nachdem die Schreckensbotschaft Deutschland erreicht hatte, konnte die Namaste-Stiftung einen Spendenbetrag von einer Million Euro verbuchen. Während in vielen ländlichen Gebieten oft kein Stein auf dem anderen blieb, wurde das Dhulikhel-Hospital weitgehend verschont. So konnten Dr. Ram Shrestha und sein Team die vielen, zum Teil schwer verletzten Menschen im gesamten Krankenhaus unterbringen und versorgen. Die 300 Normal-Betten sowie viele Notbetten in allen Stockwerken des Krankenhauses waren von Erdbeben-Opfern belegt, für deren Genesung und ärztlicher Behandlung die Spendengelder eingesetzt werden konnten, wobei es uns ein Anliegen war, alle Erdbebenopfer kostenlos zu behandeln. Gegen Ende des Jahres konnte dann mit dem Aufräumarbeiten begonnen werden. Im Fokus standen die Erdbebensicherung sowohl für das Dhulikhel-Hospital wie auch der Wiederaufbau von Schulen und Privathäusern. Nachdem sich in vielen Gebieten die Trinkwasserqualität verschlechtert hatte, galt es auch, die Trinkwasserversorgung zu sichern. Wir konnten darüber hinaus die Nepali mit Saatgut und Werkzeug versorgen; auch darum kümmerten sich Experten des Dhulikhel-Hospitals.
Doch nicht nur in Nepal war 2015 ein trauriges Jahr. Am 12. Juli 2015 hat uns unser Gründungsmitglied und Stiftungsvorstand Gisela Haberkorn überraschend verlassen. Sie folgte ihrem 2003 verstorbenen Mann Karl Haberkorn, der ebenfalls ein tatkräftiger Gründer unserer Stiftung war. Gisela Haberkorn hat uns all die Jahre an ihrem Italienstand mit italienischen Köstlichkeiten versorgt. Und noch im Tod lagen ihr Nepal und seine Menschen am Herzen: Beider gesamter Nachlass floss in die Stiftung. Verabschieden mussten wir uns 2015 darüber hinaus von Sepp Friedl, der auf Grund gesundheitlicher Probleme unserer Stiftung den Rücken kehrte. Auch er ein Mann der ersten Stunde: Viele Jahre hat er seine Urlaube in Nepal verbracht und sein handwerkliches Geschick dort eingebracht. Beim traditionellen Nepal-Tag Ende November berichtete schließlich Ram Shresta noch einmal ausführlich von den Verwüstungen in seiner Heimat. Er konnte an diesem Tag einen Scheck in Höhe von drei Millionen Euro entgegen nehmen. Geld, das nicht nur die Bolde-Freunde gesammelt haben. Geholfen haben darüber hinaus die vom Bayerischen Rundfunk unterstützte Benefizaktion „Sternstunden“, die Gastroenterology Foundation e.V. München, die Südtiroler Ärzte für die Welt sowie Heri Wirths Stiftung Wasser für die Welt in Regensburg.