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Namaste – Chronik einer
Krankenstation in Nepal 1996 bis 2012 Der Anfang einer – hoffentlich – unendlichen Geschichte 1996
Ursula und Horst Schmel sind, wie schon seit den 70er Jahren, wieder in Nepal unterwegs. Nicht nur die Landschaft am Himalaja selbst fasziniert das Ehepaar. Auch die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Nepali lässt die beiden immer wieder in das höchstgelegene Land der Erde mit seinen zehn Achttausendern reisen. Auch diesmal steht wieder eine Trekking-Tour am Anapurna auf dem Reiseplan des Apothekers und seiner Frau aus Gilching bei München. Und wie schon in den Jahren zuvor begleiten sie dieselben zwei Sherpas. Beim Anstieg klagt Ursula Schmel in etwa 5500 Metern über Übelkeit, Kopfschmerzen, Atemnot und Schwindel – akute Anzeichen der bei Bergsteigern gefürchteten Höhenkrankheit. Nur ein rascher Transport in ein tiefer gelegenes Gebiet kann helfen. Die Sherpas tragen die Kranke noch nachts 1500 Meter bergab – und retten ihr damit das Leben. Für Horst Schmel steht fest: Ihr Dankeschön an die Nepali für diese Lebensrettung wird sich nicht in einer einmaligen Geldzuwendung erschöpfen. Er will „etwas Besonderes“ tun für das Dorf Bolde, aus dem einer der beiden Lebensretter stammt.
1997 Zusammen mit Gisela und Charlie Haberkorn, Rosi und Sepp Friedl, Erna Scheuermann und Klaus Schuler, gleichermaßen begeisterte Nepalreisende, gehen Ursula und Horst Schmel unmittelbar nach diesem Ereignis an die Arbeit und kommen zu dem Schluss, dass das „Besondere“ eine Krankenstation für Bolde werden soll, liegt die medizinische Versorgung in dem unwegsamen Gelände doch sehr im Argen. In Zahlen: Für etwa 10 000 Menschen in der Gegend von Bolde gibt es keinerlei medizinische Versorgung.
1998 Bereits nach knapp zwei Jahren zeitigt der „besondere“ Dank sichtbare Folgen: In einem ehemaligen Stall richten Horst Schmel und die „Bolde-Freunde“ wie sich die Gruppe nennt, eine provisorische Krankenstation ein. Doch nicht westliche Helfer, so die Maßgabe der Initiatoren, sollen hier arbeiten, sondern Einheimische. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto der Gruppe von Anbeginn, denn nur so, da sind sich die Bolde-Freunde einig, kann den Menschen im viertärmsten Land der Erde auch nachhaltig geholfen werden. Dass dies nicht von den Bolde-Freunden allein bewerkstelligt werden kann, dass ein Mittler vor Ort das Vorhaben erleichtern würde, versteht sich von selbst. Doch wer sollte dies tun? Horst Schmel und Charlie Haberkorn suchen den Kontakt zu einem einheimischen Arzt. Er findet sich in dem Chirurgen Dr. Ram Shresta. Ram Shresta hat in Österreich studiert und gearbeitet und 1996 mit der Unterstützung österreichischer Freunde in seiner Heimat Dhulikhel, einer Stadt östlich von Kathmandu, ein Krankenhaus eröffnet. Nach einiger Überzeugungsarbeit erklärt sich Ram Shresta zur Kooperation bereit, und willigt ein, medizinisch geschultes Personal seiner Klinik für Bolde, das von Dhulikhel in einem knapp eintägigen Fußmarsch zu erreichen ist – eine Straßenverbindung gibt es nicht zwischen den beiden Orten – zur Verfügung zu stellen.
1999 Während Dr. Ram Shrestha im Schein einer Taschenlampe in einem Stall in Bolde seine erste Operation, die Behebung eines Leistenbruchs, durchführt, schreiten die Vorbereitungen zur Grundsteinlegung einer Krankenstation für den Ort voran. Im Oktober ist es dann soweit: In mühsamer Handarbeit werden nach der Grundsteinlegung die Fundamente für die kleine Klinik aufgemauert. 120 000 Mark haben die Bolde-Freunde bis zu diesem Zeitpunkt schon gesammelt.
2000
Während die Bolde-Freunde wieder in ihre Heimat zurückkehren, schreitet der Bau der Krankenstation in Bolde voran. Ein Bauvorhaben in den Bergen Nepals ist freilich nicht zu vergleichen mit einer Baustelle in Europa. Das Dorf, 80 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu in der Schlucht des Sunkosi-Flusses gelegen, ist eine schwer zugängliche Streusiedlung, die sich vom Talboden in 600 Metern Höhe bis zum Kamm der Vorgebirgskette des Himalaja in 2000 Metern Höhe erstreckt. Es gibt keine direkte Zufahrt zu dem Dorf. Baugeräte wie sie hier zu Lande zum Einsatz kommen, können also dort die Arbeit nicht erleichtern. Alles muss im wahrsten Sinne des Wortes in Handarbeit bewerkstelligt werden. Konkret: Jeder Sack Zement, jeder Eisenträger, jedes einzelne Bauteil muss geschultert und in mehrstündigem Fußmarsch bergwärts gebracht werden. Frauen tragen 50 Kilogramm schwere Sandsäcke vom Fluss hinauf zur Baustelle. Steinblöcke werden aus dem Berg gebrochen und in den Höfen der Bauern für den Bau zugeschlagen. Den Bau begleiten Dr. Ram Shrestha und Tilak Lama. Der in Bolde geborene Tilak Lama konnte durch die Hilfe der Bolde-Bewohner eine höhere Schule absolvieren und studieren; dafür unterstützt er nun die Arbeit der Bolde-Freunde als Koordinator vor Ort. Und natürlich ist auch Dr. Ram Shresta in die Planung einbezogen; er sorgt dafür, dass die Vorstellungen der künftig dort arbeitenden Ärzte berücksichtigt werden. Am 11. Oktober ist es dann soweit: Der erste Bauabschnitt, das Erdgeschoss, ist abgeschlossen, es gibt eine festliche Einweihungsfeier. Und zu Hause in Gilching wird ebenfalls gefeiert: Anfang Dezember laden die Bolde-Freunde in die Aula des Christoph-Probst-Gymnasiums zum ersten Mal zu einem Nepal-Abend. Dort stellen sie ihr Projekt einer breiten Öffentlichkeit vor. Es gibt einen heiteren Abend mit Tee und Lebkuchen, Butterbrezen und Sekt und viel schönem Kunsthandwerk aus Ostasien. Der Abend ist gut besucht – dank eines Berichts in der Münchner Abendzeitung (AZ). Unter der Überschrift „Münchner baut Klinik auf dem Dach der Welt“ schildert AZ-Autor Martin Schäfer das Projekt des Apothekers und seiner Freunde. Nicht nur viele Leser der AZ beginnen sich für die Bolde-Freunde zu interessieren. Auch das Fernsehen – Sat.1 – und der Bayerische Rundfunk – werden aufmerksam auf das Hilfsprojekt und berichten. Berichte mit positiven Folgen: Es wird eifrig gespendet. Der Nepal-Abend in der Schule bleibt keine einmalige Veranstaltung. Alljährlich am Vorabend des ersten Advents wiederholt sich das Zeremoniell, alljährlich gibt es an diesem Abend auch einen Rechenschaftsbericht der Boldefreunde in Form eines Films.
2001 Inzwischen hat sich der Kreis derer, die in Bolde helfen wollen, so vergrößert, dass das gesammelte Geld nicht nur für eine ebenerdige Krankenstation reicht, sondern auch an deren Aufstockung gedacht werden kann. Die große Spendenbereitschaft in Deutschland ermöglicht den Bau eines weiteren Geschosses. Auch eine Solaranlage auf dem Dach des Krankenhauses zur Stromgewinnung ist vorgesehen – künftig soll niemand mehr im Schein einer Taschenlampe auf den OP-Tisch kommen. Das Jahr über wird eifrig gebaut in Bolde. Und auch die Solaranlage kann, mit Hilfe des Solarfördervereins Bayern e. V., der wiederum von der E.ON AG unterstützt wird, installiert werden. Am 9. November, dem 63. Geburtstag des Bolde-Initiators Horst Schmel, wird das Krankenhaus inklusive Solaranlage mit den Bolde-Einwohnern, dem Ärzteteam und 20 deutschen Helfern vor Ort sowie im Beisein der Bolde-Freunde, eingeweiht. Die Hälfte der Baukosten von 120 000 Mark wurde aus allgemeinen Spenden finanziert, die andere Hälfte haben die Bolde-Freunde aus ihrer Tasche drauf gelegt. Sie garantieren auch die laufende Finanzierung der Klinik, die mit jährlich 10 000 Mark veranschlagt ist. Kein Werk der Bolde-Freunde, aber eine große Erleichterung für sie und vor allem die Menschen, die in Bolde leben (und vielleicht einmal krank werden): Mit Mitteln der nepalesischen Regierung konnten die Bewohner von Bolde und ihrer Nachbargemeinden eine Piste nach Bolde bauen. Zwar ist diese „Straße“ nur in der Trockenzeit, also etwa sechs Monate im Jahr, befahrbar, doch dann verkürzt sie die Fahrt zwischen Dhulikhel und Bolde um viele Stunden und erleichtert auch den Transport sperriger Güter. Und noch ein Ereignis ist in diesem Jahr zu vermelden: Die Bolde-Freunde wollen ihrem Charity-Engagement ein offizielles Gesicht geben und gründen die Namaste-Stiftung. Die Stiftung erhält sogleich den Status der Gemeinnützigkeit, weil in ihren Statuten festgelegt ist, dass jeder Spenden-Cent ausschließlich und ohne Abzug zum Einsatz kommt – sprich: Sämtliche Verwaltungskosten werden ohne Ausnahme von den Stiftungsmitgliedern aus eigener Tasche getragen, sämtliche Spenden gehen ohne Abzug nach Nepal. Wortwörtlich heißt es in Paragraph 6, Absatz 2 der Stiftungsurkunde: „Die Tätigkeit ist ehrenamtlich. Anfallende Auslagen werden von den Stiftungsvorstandsmitgliedern selbst getragen. Für Sach- und Zeitaufwand der Mitglieder des Stiftungsvorstandes erfolgt kein finanzieller Ausgleich.“ Hinzu kommt, dass mit diesem Status Spenden mittels Spendenquittung künftig auch steuerlich absetzbar sind. Gewiss ein Anreiz für so manchen, tiefer in den Spendensäckel zu greifen.
2002
In diesem Jahr überschatten Übergriffe der Maoisten die politische Situation in Nepal. Der Tourismus, wohl eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, muss schwere Einbußen hinnehmen. Die Wirtschaft Nepals gerät ins Stocken – und wie so oft treffen derartige Einschnitte die arme Bevölkerung besonders hart. Aufwendungen zur Gesundheitsvorsorge werden für die meisten unbezahlbar. Glücklicherweise bleiben das Dhulikhel-Hospital und seine Außenstationen von Übergriffen der Maoisten verschont, so dass die Bolde-Freunde auch in diesem Jahr ihre Arbeit weitgehend ungehindert fortsetzen können. Zur Verbesserung der spärlichen Infrastruktur im Gebiet von Bolde wird am 2. August eine Hängebrücke mit Seilzug über den 100 Meter breiten Sunkosi-Fluss in Betrieb genommen. Gerade rechtzeitig, denn während des Monsuns nehmen durch Nässe bedingte Krankheiten und Verletzungen erfahrungsgemäß zu. Der Fußweg ins Krankenhaus für die Menschen auf dem anderen Flussufer wird durch die Brücke um fünf Stunden verkürzt und auch das Risiko, sich während des mühsamen Marsches über gefährliche Bergpfade zusätzlich zu verletzen, kann minimiert werden. Doch auch weitere Baumaßnahmen sollen in Angriff genommen werden. Spendengelder von mehr als 80 000 Euro ermöglichen die Erweiterung des Bettentraktes im Mutterkrankenhaus in Dhulikhel. Zudem soll ein Hilfsfonds eingerichtet werden, der mittellosen Patienten eine medizinische Behandlung oder Versorgung mit Medikamenten ermöglicht. Und noch eine wichtige Personalie ist in diesem Jahr zu verzeichnen: Hannelore Weber, die sich schon lange für Bolde engagiert und der die Stiftung auch die Unterstützung des Solar Energiefördervereins Bayern e.V. verdankt, wird als Neunte im Bunde der Namaste-Stiftung aufgenommen. Gemäß ihrem Leitmotiv „Gesunde und glückliche Kinder sind die beste Voraussetzung für eine menschliche Zukunft“ will sie sich vor allem für die körperliche und geistige Gesundheit – sprich Bildung – der Kinder einsetzen. Während Hannelore Weber sich den kleinen Nepali widmet, werden einzelne Bereiche der Bolde-Arbeit unter den Bolde-Freunden aufgeteilt. Rosi Friedl organisiert die gesamte Verwaltungsarbeit. Sie verschickt sowohl Dankesbriefe wie Spendenquittungen. Und nicht zuletzt sorgt sie auch dafür, dass beim jährlichen Nepal-Bazar vor Weihnachten wieder schöne Dinge im Angebot sind. Spenderbetreuung gehört auch zum Aufgabengebiet von Erna und Klaus Schuler; sie kümmern sich vor allem um die Dankesbriefe an die regelmäßigen Spender, derer es rund 1500 gibt. Das Ehepaar Schuler ist es auch, das Kinder unter dem Motto „Schüler helfen Schülern“ aktiviert hat. Für breite Resonanz außerhalb des Münchner Raums sorgen auch Gisela und Charlie Haberkorn. Sie tragen die Bolde-Begeisterung nach Italien, genauer nach Ligurien. An ihrem langjährigen Ferienort haben sie längst dafür gesorgt, dass es auch Bolde-Amici gibt. Deren Erzeugnisse – Öl, Essig, Likör, Pesto und Marmelade – bereichern alljährlich den Weihnachtsbazar um Köstlichkeiten vom Mittelmeer. Sepp Friedl, gelernter KFZ-Mechaniker und ausgestattet mit mindestens zwei rechten Händen, ist dank seines handwerklichen Know how alljährlich der gute Geist in Nepal. Um die Gesamt-Koordination und den regelmäßigen Kontakt zwischen Deutschland und Nepal sowie die Pressearbeit kümmern sich Ursula und Horst Schmel. Und nicht zu vergessen das halbe Hundert der so genannten „Heinzelmänner und -frauen“, die das Jahr über die Stiftung ehrenamtlich unterstützen.
2003 Die politische Lage in Nepal entspannt sich wieder. Mit den Maoisten wird ein Waffenstillstand vereinbart. Auch für die Bolde-Freunde ist das eine gute Nachricht, denn sie können so ihre Ziele besser weiter verfolgen. Mit den beiden Bauvorhaben in Bolde und Dhulikhel ist nämlich ihre Arbeit noch lange nicht getan, wenn auch die größten Hürden zunächst einmal genommen sind. Jetzt ist Detailarbeit angesagt. Detailarbeit in Sachen Hygiene, in Ernährungsfragen, in Fragen der Familienplanung. Die Einrichtung der Krankenstation in Bolde soll Hand in Hand gehen mit der Verbesserung der Infrastruktur. Konkret kümmern sich die Bolde-Freunde, die Ärzte und das medizinische Personal vor Ort um eine intensive Familienberatung. Angeboten wird, neben der Sterilisierung des Mannes, ein Hormonimplantat für die Frau, das die Fruchtbarkeit für drei bis fünf Jahre unterbricht. In den Schulen Boldes gibt es für die Kinder Hygieneunterricht. Auch für sauberes Trinkwasser soll gesorgt werden. Und weil Hilfsbereitschaft anscheinend eine ansteckende Eigenschaft ist, haben sich Kinder aus Pasing, Weilheim und Herrsching auf Initiative des Ehepaars Schuler dafür eingesetzt, dass den Schulkindern in Bolde durch die Anschaffung von Wassertanks sauberes Wasser zur Verfügung steht. Das freut nicht nur die Kinder im fernen Nepal, derartige Aktivitäten freuen auch den harten Kern der Bolde-Freunde, denn sie können daraus schließen, dass ihr Werk eines Tages von der nächsten Generation fortgesetzt wird und ihr Wirken nicht in Vergessenheit gerät. Die Bolde-Freunde – eine unendliche Geschichte. Detailarbeit mit großer Nachhaltigkeit ist auch der Anbau von 1500 Zitruspflanzen, die die Einkommens- und Ernährungssituation in der Gegend verbessern hilft. Und noch einen Rekord können die Bolde-Freunde nach ihrem diesjährigen Nepal-Abend im Advent, dem vierten in Folge, vermelden: Sie sind Millionäre – DM-Millionäre, haben sie doch seit Beginn ihrer Arbeit nun schon 500 000 Euro gesammelt.
2004 Das neue Jahr in der Chronik der Bolde-Freunde ist von der Trauer um Hannelore Weber überschattet, die erst vor zwei Jahren in den Stiftungsvorstand aufgenommen wurde. Hannelore Weber stirbt nach kurzer schwerer Krankheit im März im Alter von 58 Jahren. Ihre Asche wird auf ihren Wunsch im Herbst in Bolde beigesetzt. Die Grundsteinlegung für ein Kinderkrankenhaus in Dhulikhel, die im Herbst dieses Jahres erfolgt, kann sie, die sich so eingesetzt hat für die Belange der nepalesischen Kinder, nicht mehr miterleben. Mit der Gründung des Hannelore Weber Kinderhilfsfonds soll ihre Arbeit gewürdigt und – vor allem – fortgesetzt werden. Denn noch immer ist die Kindersterblichkeit in Nepal mit 10,4 Prozent extrem hoch. Im Vergleich: In Deutschland liegt sie bei 0,5 Prozent (Stand 2004). Jedes dritte Kind im Schatten des Himalaja erreicht nicht den 18. Geburtstag. Ohne ärztliche Hilfe führen oft schon kleinere Infekte zum Tod. Magen- und Darmerkrankungen, Typhus und Cholera setzen vor allem auch den kleinen Patienten zu. Insgesamt liegt die Lebenserwartung der Nepali bei 50 Jahren. Doch nicht nur die medizinische Versorgung der Kinder soll gewährleistet werden. Mit Mitteln aus diesem Fonds soll die räumliche Situation in den Schulen verbessert werden – von Fließwasser über Toiletten bis zu Fenstern, Türen und Fußböden. Kindern armer Eltern wird auch finanziell unter die Arme gegriffen mit der Bezahlung von Schulbekleidung, Heften, Büchern und Schreibmaterial.
2005 In Dhulikhel schreiten die Bauarbeiten für das Kinderkrankenhaus – das bisher größte und wichtigste Projekt der Bolde-Freunde – voran. Es wird das erste Kinderkrankenhaus der Region mit einem Einzugsgebiet von 1,5 Millionen Menschen sein. Doch auch in Bolde fehlt es, trotz des Engagements der Bolde-Freunde in der Vergangenheit, an vielem: an Laborgeräten, an Medikamenten. Parallel zur Unterstützung dieser Projekte wird auch das Engagement im schulischen Bereich vorangetrieben. In der größten der vier Bolde-Schulen, der Shivalaya-Schule mit etwa 300 Kindern, steht der Neubau von zwei Klassenräumen an. Toiletten und ein Lehrerzimmer sind bereits im Bau. Die Shivalaya-Schule soll zu einer zehnklassigen Realschule ausgebaut. werden. Für begabte Schüler rückt damit der Übertritt in eine höhere Schule näher. Auch für die anderen drei Schulen Boldes ist die Ausstattung mit Toiletten und Wassertanks geplant. 23 Euro kostet der Bau einer Toilette, für einen Europäer eine vergleichsweise geringe Summe, für einen Durchschnitts-Nepali aber mehr als ein Monatseinkommen, das bei etwa 17 Euro liegt. Noch weniger verdient die Bergbevölkerung, wie sie um Bolde anzutreffen ist und die mehr als 50 Prozent der Nepali ausmacht. Hier wird das Einkommen auf etwa 5 Euro monatlich geschätzt. Doch nicht nur aus Dhulikhel und Bolde gibt es Neuigkeiten zu vermelden. Neu im Kreis der Namaste-Stiftung ist Susi Cremer. Auch sie kam über ihre Nepal-Begeisterung zu den Bolde-Freunden. Tatkräftig steigt sie in die Bolde-Arbeit ein, ist sozusagen eine Feuerwehr, die stets einsatzfähig ist, wenn es irgendwo brennt. Und sie übernimmt auch sofort die Arbeit der verstorbenen Hannelore Weber. Wie so oft im Leben liegen Freude und Trauer nahe beieinander. Am 2. Oktober musste sich die Namaste-Stiftung von Charlie Haberkorn, einem Bolde-Freund der ersten Stunde, für immer verabschieden. Haberkorn setzte sich 1998 vor Ort ein, Dr. Ram Shrestha, den Direktor des Mutterkrankenhauses Dhulikhel, für die Errichtung und Betreuung einer Krankenstation in Bolde zu gewinnen. Auch war er durch den Einsatz materieller Mittel wesentlich an der Gründung der Namaste-Stiftung beteiligt. Stets hat er sich für alle Belange der Stiftung engagiert. Seinem fachlichen Know how als Mathematiker ist vor allem auch die Errichtung der Photovoltaikanlage zur Energieversorgung der Krankenstation in Bolde zu verdanken. Haberkorn starb, 70jährig, an den Folgen einer schweren Herzerkrankung.
2006 Zehn Jahre nach der folgenreichen Trekking-Tour, auf der Ursula Schmel erkrankte, und dem Schmelschen Gelöbnis, einen „besonderen Dank“ an die Nepali zu richten, können sich die Bolde-Freunde eines ganz besonderen Ereignisses erfreuen. Im Oktober kann in Dhulikhel die Fertigstellung des Kinderkrankenhauses gefeiert werden. Damit hat das Dhulikhel-Hospital alle notwendigen Fachrichtungen vereint, um von der Kathmandu Universität als akademisches Krankenhaus anerkannt zu werden. Im Dhulikhel-Hospital dürfen nun selbst Ärzte ausgebildet werden, die in Zukunft ständig in den Außenstationen – wie zum Beispiel in Bolde – vor Ort sein werden. Ein besonderer Erfolg auch für Dr. Ram Shresta, der vor zehn Jahren mit einem kleinen Krankenhaus in Dhulikhel begonnen hat. Mit dem Erweiterungsbau des Kinderkrankenhauses sind alle größeren Bauprojekte der Stiftung – Krankenstation Bolde, Schulerweiterung, Straßen, Hängebrücke – vorläufig abgeschlossen. „Arbeitslos“ freilich werden die Bolde-Freunde damit auch in Zukunft nicht. Jährlich müssen Mittel für den auf 100 000 Euro bezifferten ständigen Charity-Fonds erbracht werden. Er garantiert, dass auch arme und mittellose Patienten ärztlich im Krankenhaus versorgt werden können. Auch die inzwischen von 5000 auf 10 000 Euro aufgestockten jährlichen Betriebskosten für das Krankenhaus in Bolde wollen sichergestellt sein. Hinzu kommen jährlich weitere 10 000 Euro für das Werkstatt-Haus des Dhulikel-Hospitals. Dort werden alle Reparaturen, die zum Beispiel für medizinisches Gerät anfallen, erledigt. Auch das Reinigunspersonal für das Krankenhaus wird aus diesem Fonds finanziert. Und weiterhin: Viel Detailarbeit.
2007 Zur Detailarbeit zählt auch das Projekt Raucharme Öfen. Die in Nepal so häufig auftretenden Lungenerkrankungen sind vor allem eine Folge der Rauchentwicklung bei offenen Feuerstellen in den Häusern Boldes. Mit Mitteln aus der Namaste-Stiftung sollen die Wohnungen in Bolde deshalb nach und nach mit geschlossenen Feuerstellen ausgestattet werden. Dieter Maus, Ofensetzer aus Weßling, konstruiert deshalb probeweise in Gilching einen Ofen, der in Bolde künftig statt der schädlichen offenen Feuerstellen für Kochmöglichkeit und Wärme sorgen soll. Ihre Herbst-Reise nach Bolde treten die Bolde-Freunde mit einem Bauplan dieses Ofen-Prototyps im Gepäck an. Mit großer Spannung wird das erste Exemplar in Betrieb genommen. Es funktioniert und geht sozusagen „in Serie“. Drei nepalesische Handwerker werden vor Ort in den Ofenbau eingewiesen, damit die Nepali ohne Hilfe von Außen zu ihren neuen Befeuerungsanlagen kommen. Denn auch hier gilt wieder „Hilfe zur Selbsthilfe“, ein Grundsatz, den die Namaste-Stiftung bei all ihren Projekten verfolgt. Weshalb auch zum Beispiel in der Krankenstation in Bolde weder Entwicklungshelfer noch deutsches medizinisches Personal zum Einsatz kommt. Inzwischen kochen und wärmen sich an Maus’ Ofen in Bolde in rund 150 Haushalten die Menschen annähernd rauchfrei. Und auch aus der Krankenstation von Bolde gibt es Neues zu vermelden. Sie hat nun endlich einen ständig dort anwesenden Arzt dank der Aufrüstung mit medizinischen Geräten und Laborgeräten, wie sie sich in jeder deutschen Allgemeinpraxis finden – zum Beispiel Ultraschall und EKG. Außerdem werden im Frühjahr während eines zweitägigen Kindercamps 600 Schulkinder einer Vorsorge-Untersuchung unterzogen – ein Riesenschritt in präventiver Medizin zur Verringerung der Kindersterblichkeit.
2008 Eine Reihe von Großprojekten ist vorangetrieben worden. So kann die auf zehn Klassen erweiterte Sivalaya-Schule im Frühjahr eingeweiht werden. Sie hat damit den Status einer Realschule. Besonders stolz sind die Bolde-Freunde auf die Tatsache, dass die Schule von der Regierung Nepals als beste und modernste Schule im Kavre-Distrikt (1,8 Millionen Einwohner) ausgezeichnet wird. Ein weiteres Schulprojekt wird in Bhanjang in Angriff genommen. Die alte Schule ist Einsturz gefährdet und muss abgerissen werden; mit dem Wiederaufbau kann begonnen werden. Und auch in Bolde gibt es wieder eine Baustelle. Für eine Erweiterung der Krankenstation wird der Grundstein gelegt. In dem Gebäude soll nach Fertigstellung sowohl Platz für Krankenbetten sein wie ein Schulungsraum für den so wichtigen Hygieneunterricht untergebracht werden. Bautätigkeit wird es demnächst auch wieder in Dhulikhel geben. Hier ist zur Verbesserung der Infrastruktur des Krankenhauses ein Werkstattgebäude in Planung. Maurer, Elektriker, Schlosser, Installateure sowie ein Ingenieur für die medizinisch-technischen Geräte werden hier unter einem Dach vereint. Abschließend noch eine Personalie: Cornelia Sir kommt als neues Mitglied zur Namaste-Stiftung. Sie erhöht die Zahl der Vorstandsmitglieder damit wieder auf neun. Die Krankenschwester und Betriebswirtin arbeitet in einer Firma, die weltweit den Bau von Kliniken plant. Hinzu kommt, dass Cornelia Sir ziemlich fit ist am Computer und die Namaste-Stiftung stolz ist, sich dank ihrer endlich auf einer eigenen Website präsentieren zu können.
2009 In diesem Jahr bricht Bolde gewissermaßen in die Neuzeit auf. Der Ort wird endlich an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Das ist zwar kein unmittelbares Werk der Bolde-Freunde; ohne ihre strukturellen Vorarbeiten allerdings, so kann vermutet werden, hätte dies sicherlich noch etwas länger gedauert. Der öffentliche Strom ist für die Einheimischen in vielerlei Hinsicht ein gewaltiger Schritt in die Zukunft, bringt er doch sozusagen die große weite Welt in die von Landflucht bedrohte Bergregion. Ein alter Nepali, Analphabet wie ein Großteil der Bevölkerung – Schätzungen gehen davon aus, dass jeder zweite Nepali nicht lesen und schreiben kann – meint, bisher sei er in Sachen Politik eigentlich blind gewesen, doch der Strom, der ihm nun Zugang zu elektronischen Medien ermöglicht, habe ihn sehend gemacht. Und auch die Kinder der Mittelschule freuen sich über diese Art der Globalisierung, können sie doch nun auch ihre Fähigkeiten an den von eigenen Landsleuten gesponserten Computern testen. Und natürlich hat die Anbindung an das öffentliche Stromnetz auch für das Krankenhaus positive Auswirkungen, konnte die Photovoltaik-Anlage doch zum Beispiel den großen Energiebedarf, den Röntgengeräte erfordern, nicht decken. Nunmehr jedoch ist es möglich, vor Ort Röntgenaufnahmen herzustellen. Dennoch wird auch die Photovoltaik-Anlage erweitert und wiederum ist es der Firma E.ON AG zu danken, dass dies geschehen konnte. Darüber hinaus können sich die Bolde-Freunde in diesem Herbst über die Fertigstellung eines Erweiterungsbaus der Krankenstation in Bolde freuen. Auch der Rohbau der Werkstatt für das Dhulikhel-Hospital steht. Und an der Shivalayaschule unterzieht sich der erste Jahrgang der staatlichen Prüfung zur Mittleren Reife. Dass es die Schüler schaffen, als beste ihrer Region abzuschließen, ist den Bolde-Freunden eine besondere Freude – auch wenn nicht sie, sondern die Kinder es waren, die dafür büffeln mussten. Natürlich soll bei all diesen Großprojekten die so genannte „Kleinarbeit“ nicht vergessen werden – wie die Gesundheitserziehung für Schulklassen und Frauen im gebärfähigen Alter zum Beispiel. Etwa 100 Personen konnten zu Themen wie Geburtenkontrolle oder Krebsvorsorge informiert und geschult werden. Und last not least freuen sich die Bolde-Freunde über die anhaltende Spendenfreudigkeit aller neuen und alten Bolde-Fans, die das Spendenkonto in diesem Jahr auf 1,5 Millionen Euro hat ansteigen lassen.
2010 2011 Spendenkonto:
Namaste-Stiftung Raiffeisenbank Gilching Konto 345, BLZ 701 693 82 Kontakt:
Namaste-Stiftung Landsberger Straße 40 82205 Gilching Internet: www.namastestiftung.de E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. |


